Wofür brauche ich ein Aktiendepot?
Ein Aktiendepot ist Ihr Konto für Wertpapiere — Aktien, ETFs, Fonds, Anleihen, Optionsscheine. Technisch ist es identisch mit einem ETF-Depot oder einem Wertpapierdepot; der Begriff "Aktiendepot" beschreibt eher den Anlagestil: gezielt einzelne Aktien kaufen statt nur per ETF-Sparplan in den Gesamtmarkt zu investieren.
Wer Einzelaktien handelt, hat andere Anforderungen als ein reiner ETF-Sparer:
- Niedrige Order-Provision ist wichtiger als die Sparplan-Auswahl
- Schnelle Ausführung + enge Spreads zählen bei volatilen Aktien
- Auslandsbörsen-Zugang (NYSE, NASDAQ, Tokio) ist oft Pflicht
- Steuer-Tools (Verlusttöpfe, KAP-Erträge, Quellensteuer-Vorabbescheinigung) entscheiden über Aufwand und Rendite
Worauf kommt es bei den Kosten an?
Order-Provision (das zählt am meisten):
Pauschal (z. B. 4,90–9,90 € pro Order) oder prozentual (0,1–0,25 %)? Bei kleinen Orders ist Pauschal teuer; bei großen Orders ist prozentual teurer. Manche Neobroker bieten "1 €-Pauschal" oder sogar "kostenlose Trades" — finanzieren sich über Spreads bzw. Payment for Order Flow (PFOF). Das ist nicht zwingend schlecht, aber Sie sollten den Spread mitvergleichen.
Depotführung:
Bei vielen Online-Anbietern ist die Depotführung kostenlos. Manche Banken knüpfen das an Bedingungen (z. B. mindestens 1 Trade pro Quartal, Mindesteinlage). Filialbanken nehmen oft 30–60 € im Jahr — bei langfristigem Anlagehorizont eine erhebliche Belastung der Nettorendite.
Sparplan-Kosten:
Auch wenn Sie hauptsächlich Einzelaktien kaufen wollen — der Aktien-Sparplan ist eine bequeme Methode, um in volatile Werte zu investieren (Cost-Average). Achten Sie auf die Liste der besparbaren Aktien und Ausführungs-Tage. Manche Broker bieten kostenlose Aktien-Sparpläne ab 25 € Sparrate, andere nehmen 1,5 % Ausführungs-Gebühr.
Spreads bei Direkthandel:
Neobroker wie Trade Republic oder Scalable arbeiten mit Direkthandels-Partnern (Lang & Schwarz, Quotrix). Die Order-Provision ist niedrig (oft 1 €), dafür kann der Spread (Differenz Kauf-Verkauf) höher sein als an der regulären Börse Xetra. Bei größeren Orders lohnt sich der Vergleich mit klassischen Xetra-Trades.
Anbieter-Typen im Überblick
Neobroker (Trade Republic, Scalable Capital, finanzen.net Zero, Justtrade)
- Order-Pauschale 0–1 €, mobile-first, oft kostenlose Sparpläne
- Direkthandel über Lang & Schwarz oder Quotrix
- Wenige Premium-Features (begrenzte Auslandsbörsen, kein Telefon-Support)
- Optimal für: Buy-and-Hold-Anleger, Einsteiger, Sparplan-Strategien
Online-Direktbanken (Comdirect, ING, DKB, Consorsbank)
- Order-Provision 4,90–9,90 € + voller Funktionsumfang
- Zugang zu allen deutschen + wichtigen ausländischen Börsen
- Steuerlich vollständig (Verlustverrechnung, Bescheinigung)
- Optimal für: aktive Trader, Anleger mit Auslandsaktien, Hybrid-Strategien
Klassische Filialbanken (Deutsche Bank, Commerzbank, Sparkassen, Volksbanken)
- Höhere Kosten (oft 1 % Order-Volumen, mindestens 25 €)
- Persönliche Beratung in der Filiale
- Manche bieten Anlageberatung gegen Honorar
- Optimal für: ältere Anleger, Beratungsbedarf, sehr komplexe Vermögen
Sicherheit: Was passiert bei der Pleite des Brokers?
Wichtig zu wissen: Wertpapiere sind in Deutschland Sondervermögen. Sie gehören rechtlich Ihnen, nicht dem Broker. Auch wenn der Broker insolvent wird, bleiben Ihre Aktien und ETFs Ihr Eigentum — sie werden auf ein neues Depot bei einem anderen Broker übertragen.
Eingeschränkt: Das Verrechnungskonto-Guthaben (Cash, das auf der Konto-Seite des Brokers liegt) fällt unter die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 € pro Bank. Wer regelmäßig größere Cash-Positionen hält, sollte diese Schwelle nicht überschreiten und ggf. auf mehrere Banken verteilen.
Steuerliche Besonderheiten
Aktiengewinne werden mit 25 % Kapitalertragsteuer + Soli + ggf. Kirchensteuer versteuert (Abgeltungssteuer). Bei deutschen Brokern wird die Steuer automatisch abgeführt — Sie müssen nichts in der Steuererklärung angeben (außer Sie wollen Verluste verrechnen oder den Sparer-Pauschbetrag von 1.000 €/Person voll nutzen).
Bei ausländischen Brokern (z. B. Interactive Brokers, Degiro mit niederländischem Sitz): Sie sind zur Selbstanmeldung in Ihrer Steuererklärung verpflichtet (KAP-Anlage). Aufwand höher, aber teils günstigere Konditionen.
Tipp: Stellen Sie den Freistellungsauftrag beim Broker direkt ein — sonst zahlen Sie auf die ersten 1.000 € Gewinn (bzw. 2.000 € bei Ehepaaren) unnötigerweise Steuer und müssen sie über die Steuererklärung zurückholen.
Vor dem Wechsel: bestehendes Depot prüfen lassen
Wenn Sie schon ein Depot haben und wechseln wollen, lohnt der Blick in den Vertrag: Manche Banken erheben Schließungs-Gebühren, Übertragungs-Gebühren pro Wertpapier oder haben Mindestlaufzeiten mit Bonus-Klauseln, die bei vorzeitiger Kündigung zurückgefordert werden.
Unsere KI-Analyse zeigt Ihnen alle relevanten Klauseln im aktuellen Depotvertrag klar verständlich — bevor Sie wechseln und damit auch klar wissen, was Sie verlassen.