Altersvorsorge

Die gesetzliche Rente reicht für die meisten nicht aus, um den Lebensstandard zu halten. Wer 45 Jahre Durchschnittsverdiener war, bekommt etwa 48 % vom letzten Brutto. Ergebnis: Eigenvorsorge ist Pflicht - und je früher, desto günstiger. Ab 2027 kommt mit dem Altersvorsorgedepot ein neues gefördertes Produkt dazu, das die Riester-Rente ablöst.

Grundlagen - Vermögensaufbau, Rentenpunkte, Rentenlücke

Quick-Take
  • Gesetzliche Rente reicht meist nicht für vollen Lebensstandard
  • 45 Punkte × 40 € = 1.800 € Brutto-Rente bei Durchschnitts-Verdiener
  • Renten-Lücke: meist 800–1.500 € pro Monat
  • Je früher Vorsorge, desto günstiger

Die Rente folgt einer einfachen Formel: Punkte × Rentenwert × Zugangsfaktor. Pro Jahr Durchschnitts-Beitrag = 1,0 Punkt. Jeder Punkt = ca. 40 € Monats-Rente (Stand 2026, jährlich angepasst).

Wer 45 Jahre 1,0 Punkt sammelt: 45 × 40 € = 1.800 € brutto Rente. Davon gehen Krankenkasse + Steuer ab → ca. 1.450 € netto. Bei einem Netto-Bedarf von 2.500 € im Ruhestand → Lücke 1.050 €.

Die Lücke schließt du durch Eigenvorsorge: Betriebliche Altersvorsorge (bAV), Riester (für Familien attraktiv), private Rente, oder ETF-Sparplan (oft am flexibelsten).

Basisvorsorge - gesetzliche Rente

Quick-Take
  • 18,6 % vom Brutto, Bemessungsgrenze 7.550 €/Mon. (West 2026)
  • Abschlag 0,3 % pro Monat bei Frührente - lebenslang
  • Freiwillige Beiträge: nur bei nahem Renteneintritt sinnvoll

Die gesetzliche Rentenversicherung (DRV) ist Pflicht für Angestellte. Beiträge: 18,6 % vom Brutto, je zur Hälfte AN/AG. Bemessungsgrenze 7.550 €/Mon. (West, 2026).

Man kann freiwillig zusätzlich einzahlen - z.B. wenn man in Frührente will und Abschläge ausgleichen muss. 1 Jahr Beitrag mit 1,0 Punkt kostet ca. 8.500 €, bringt 40 € extra Monats-Rente. Amortisation: ca. 17 Jahre Rentenbezug.

Bei vorzeitigem Renteneintritt: pro fehlenden Monat 0,3 % Abschlag (max. 14,4 % bei 4 Jahren früher). Diese Abschläge gelten lebenslang.

Geförderte Vorsorge - bAV, vermögenswirksame Leistungen, Riester

Quick-Take
  • bAV: nur sinnvoll mit Arbeitgeber-Zuschuss ≥ 15 %
  • VL: ETF-Sparplan = oft beste Verwendung
  • Riester: kompliziert, lohnt v.a. für Familien mit Kindern
  • Riester-Neuabschluss nur noch bis 31.12.2026 - danach Altersvorsorgedepot

Die zweite Säule besteht aus geförderten Produkten:

bAV (betriebliche Altersvorsorge): Brutto-Entgeltumwandlung - bis 8 % der Rentenbemessungsgrenze (= ca. 600 €/Mon. 2026) sozialabgaben- und steuerfrei. Im Ruhestand voll versteuert (nachgelagerte Besteuerung). Lohnt sich, wenn Arbeitgeber-Zuschuss ≥ 15 %.

Vermögenswirksame Leistungen (VL): 6,65–40 €/Mon. vom Arbeitgeber als Bonus - direkt zur Bank überwiesen. Plus ggf. 80 € Arbeitnehmer-Sparzulage für Geringverdiener. ETF-VL-Sparplan ist meist die beste Verwendung.

Riester: Stark gefördert für Familien (300 €/Kind ab Geburtsjahr 2008). Aber: starre Auszahlungsregeln, hohe Kosten bei vielen Anbietern, Beitragsgarantie drückt die Rendite. Wichtig: Neue Riester-Verträge sind nur noch bis Ende 2026 möglich - ab 2027 tritt das Altersvorsorgedepot an diese Stelle. Bestehende Verträge genießen Bestandsschutz und laufen weiter.

Altersvorsorgedepot ab 2027 - der Riester-Nachfolger

Quick-Take
  • Start 1.1.2027, ersetzt Riester als gefördertes Neuprodukt
  • Keine Beitragsgarantie - 100 % Aktien-ETF möglich
  • Grundzulage bis 540 €/Jahr, Kinderzulage 300 € je Kind
  • Selbstständige erstmals unmittelbar förderberechtigt
  • Effektivkosten gesetzlich auf 1,0 % p.a. gedeckelt

Mit dem pAV-Reformgesetz (Bundestag 27.03.2026, Bundesrat 08.05.2026) startet am 1. Januar 2027 das Altersvorsorgedepot. Es ersetzt Riester als zentrales gefördertes Vorsorgeprodukt - und macht dabei den entscheidenden Schritt: Es gibt keine Beitragsgarantie mehr. Das Kapital darf vollständig in Aktien-ETFs fließen, statt wie bei Riester in niedrig verzinste Anleihen umgeschichtet zu werden.

Die Förderung besteht aus zwei Teilen. Erstens die gestaffelte Grundzulage: 50 % auf die ersten 360 € Eigenbeitrag im Jahr, 25 % auf den Teil bis 1.800 € - macht maximal 540 € pro Jahr (Riester: 175 €). Dazu kommen 300 € Kinderzulage je kindergeldberechtigtem Kind, gezahlt als 1 € je selbst eingezahltem Euro. Die volle Kinderzulage ist damit schon bei 25 € im Monat erreicht. Berufseinsteiger unter 25 bekommen einmalig 200 € extra. Zweitens der Sonderausgabenabzug bis 3.000 € (ab 2030: 3.500 €) mit automatischer Günstigerprüfung - erstattet wird nur der Teil, der über die Zulagen hinausgeht.

Wichtige Grenzen: Mindestbeitrag 120 €/Jahr, volle Grundzulage ab 1.800 €/Jahr, Höchsteinzahlung 6.840 € je Vertrag (zwei Verträge pro Person möglich). Einen Mindesteigenbeitrag von 4 % des Bruttoeinkommens wie bei Riester gibt es nicht mehr - und damit auch keine anteilige Zulagenkürzung.

Auszahlung: frühestens ab 65, spätestens ab 70. Wahlweise lebenslange Leibrente oder Auszahlplan bis mindestens 85 - ohne Pflicht zur Restverrentung. Bis zu 30 % Teilkapital sind zu Beginn möglich. Besteuert wird nachgelagert, also voll mit dem persönlichen Steuersatz im Alter. Die Effektivkosten sind gesetzlich auf 1,0 % pro Jahr gedeckelt.

Neu dabei: Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende sind erstmals unmittelbar förderberechtigt - bei Riester ging das nur mittelbar über den Ehepartner.

Private Vorsorge - ETF-Vorsorge, Entsparstrategien

Quick-Take
  • ETF-Sparplan: flexibel, günstig, hohe Rendite
  • 4-%-Regel: Daumenregel für nachhaltige Entnahme
  • Glättungs-Strategie: in Krisen weniger entnehmen

Die dritte Säule ist die flexibelste - und für viele die effektivste: ein ETF-Sparplan auf einen breiten Welt-ETF. Vorteile gegenüber Riester / privater Rente:

• Volle Flexibilität (Sparrate ändern, Kapital entnehmen) • Keine Abschlusskosten / Verwaltungsgebühren (außer ETF-TER) • Renditen 5–7 % p.a. realistisch • Vererbbar an beliebige Personen

Entsparstrategie im Ruhestand: 4-%-Regel (bzw. konservativer 3 %) bedeutet, du entnimmst jährlich 4 % deines Kapitals. Bei 500.000 € → 20.000 € pro Jahr → 1.667 €/Mon.

Geschickter: Glättungs-Strategie (z.B. Bogle/Trinity) - in guten Jahren etwas mehr entnehmen, in schlechten Jahren weniger. Damit hält das Geld robust 30+ Jahre.

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